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Ökonomische Bildung (SM 23.11.2011)

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"Ökonomische Bildung in allgemeinbildenden Schulen" heißt eine Studie*), die im Auftrag von Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden erstellt wurde und für eine kritische Diskussion u.a. in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gesorgt hat. In der Studie, im Oktober 2010 auf einer Bundespressekonferenz vorgestellt, fordern Wirtschaftsdidaktiker und -pädagogen, ein eigenständiges Fach Ökonomie an allgemeinbildenden Schulen einzuführen. Was verbirgt sich hinter diesem Ruf nach 'ökonomischer Bildung'?

Problematisch ist vor allem der Ansatz in der Studie, den Ökonomieunterricht auf betriebswirtschaftliches und unternehmerisches Denken und damit auf neoliberale Ideologie zu verengen. Die jungen Menschen sollen akzeptieren lernen, dass die Ökonomisierung der Gesellschaften voranschreite und dass der Markt die Ressourcen am besten verteile. Betont wird die Bedeutung des 'Pionierunternehmers', wenn es um Innovation und Forschung geht. Hingegen wird die wichtige Rolle des Staates bei Forschung und Entwicklung gar nicht erwähnt. In den Mittelpunkt tritt ein neoliberales Menschenbild: effizient, kühl kalkulierend, darauf bedacht, für sich die größtmöglichen Vorteile herauszuholen.

Tatsächlich ist der Einfluss von Unternehmen auf die Schule schrittweise gewachsen, vor allem über Unterrichtsmaterialien, die von Firmen kostenlos bereitgestellt werden. Wirtschaftsunterricht an vielen Schulen wird z.B. mit Börsenspielen und Einüben von Unternehmerverhalten in Schülerfirmen gestaltet. Mit der Studie kündigt sich der nächste Vorstoß an: Aus unternehmerischer Perspektive soll ein "Kompetenzmodell für die ökonomische Allgemeinbildung" (siehe Bundespressekonferenz) publik gemacht werden.

Stattdessen gilt es, wie Experten der GEW erklären, 'ökonomische Bildung' sinnvoll in Gesellschaft, Natur und Politik einzubetten, beispielsweise als Teil der Sozialkunde, Wirtschaftskunde oder Arbeitslehre an den Schulen. Es geht um Ausbildung von Kritikfähigkeit und um Orientierungswissen (was Jugendliche wissen müssen, um sich in dieser Welt der Umbrüche zurechtzufinden). Wirtschaft sollte deshalb in einem gemeinsamen Fach mit politischer Bildung unterrichtet werden. Nur so ließe sich Wirtschaft als von Menschen gestaltbar vermitteln.

*) Retzmann/ Seeber/ Remmele/ Jongebloed: Ökonomische Bildung an allgemein bildenden Schulen, im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft, Essen/ Lahr/ Landau/ Kiel, 2010

Quellen:

  • Bundespressekonferenz (6.10.2010): Ökonomische Bildung von Schülerinnen und Schülern – Neue Konzepte für den Wirtschaftsunterricht. [http://www.wida.wiwi.uni-due.de/aktuelles/einzelansicht/bundespressekonferenz-a-konomische-bildung-von-scha14lerinnen-und-scha14lern-aEUR-neue-konzepte-fa14r-den-wirtschaftsunterricht5701/].

  • Holland-Letz: "Erpicht auf ökonomisches Denken": Ökonomie-Unterricht an Schulen – in Erziehung und Wissenschaft 6/2011, S. 22 [http://www.gew.de/Oekonomie-Unterricht_an_Schulen.html].

  • Holland-Letz: "Nicht nur ein homo oeconomicus": Interview mit dem Wirtschaftswissenschaftler Gerd-E. Famulla – in Erziehung und Wissenschaft 4/2011, S. 27 [http://www.gew.de/Nicht_nur_ein_homo_oeconomicus.html]